Du brauchst keine Angst haben!

Du brauchst keine Angst haben!

Ein Indianer kennt keinen Schmerz!

Sei nicht traurig, das wird schon wieder!

Bist du ein Mann oder eine Memme?!

Wer von euch hat diese oder ähnliche Sprüche nicht schon selbst als Kind gehört oder vielleicht schon selbst gesagt?!

Vor einigen Monaten, unser Sohn Titus war gerade erst ein paar Monate alt, waren wir gemeinsam bei Freunden. Später am Abend dimmte einer das Licht, Titus bekam Angst und fing an zu weinen. Derjenige, der das Licht ausgemacht hatte, sagte nur:

Warum heult der denn? Das ist doch ein Mann und kein Mädchen!

Wir lernen bereits im frühen Kindheitsalter, dass es nicht ok ist zu fühlen. Jungen oftmals noch mehr als Mädchen. Bei Mädchen ist es akzeptierter, wenn sie weinen oder ängstlich sind, sie gelten einfach als sensibler. Doch ein Junge, der weint? Das geht für die meisten Erwachsenen gar nicht. Zu fest ist das Bild des starken Mann noch in den Köpfen. Und es gab Zeiten, in denen es für Männer besser war nichts zu fühlen. Wie soll ein Soldat sonst andere Menschen töten? Das funktioniert nur, wenn sämtliche Gefühle und Emotionen taub sind.
Erst langsam ändert sich unser Bewusstsein und wir sehen, wie wir uns und unserer Umwelt damit schaden, wenn wir unsere Gefühle unterdrücken.

Unserem rationalen Verstand wird in der westlichen Welt deutlich mehr Bedeutung zugestanden als unseren Gefühlen.

Und das obwohl längst bewiesen ist, dass wir die meisten Entscheidungen intuitiv treffen, also basierend auf unseren Gefühlen und wir diese erst später mit dem Verstand begründen.

Auch ich habe diese Erfahrung gemacht, in der Schule und Erziehung, dass nicht alle Gefühle okay sind.
Frei nach dem Motto: ein fröhliches Kind ist ein gutes Kind, wurde ich der kleine, angepasste, brave, immer lächelnde Junge. Ohne Ecken, ohne Kanten. Hauptsache mein Umfeld ist zufrieden und gut drauf.

Als ich vor vielen Jahren begann, mich mit Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen, bin ich erst dem verbreiteten Glauben hinterher gelaufen, Gefühle in gut und schlecht zu unterscheiden.
Du denkst jetzt vielleicht: ja, stimmt. Positive Gefühle sind Freude, Spaß und Glück und negative sind Angst, Wut, Agression, Neid, Traurigkeit und Eifersucht.

Die Formel klingt einfach: Mehr von dem Positiven und weniger von den Negativen und schon klappt`s mit dem Glücklichsein.

Falls doch mal ein „negatives“ Gefühl auftaucht: schnell wieder positiv denken, um bloß keine Angst, Wut oder Traurigkeit zu spüren – besonders nicht im Business! Viele Ratgeber und Experten propagieren auf jeden Fall, die Gefühle zu kontrollieren.

Was dann allerdings passiert, ist, dass sich diese nicht gefühlten, nicht ausgedrückten Gefühle im Körper anstauen und mittel- oder langfristig zu körperlichen Beschwerden führen oder sogar zum Burnout.

Unser Körper ist zum Fühlen gemacht. Es ist eine logische Konsequenz, dass er krank wird, wenn wir diese nicht ausdrücken.

Und es ist so einfach nicht zu fühlen. Unser Alltag steckt voller Ablenkungen:

  • Fernsehen
  • Im Internet surfen
  • Essen
  • Alkohol
  • Rauchen
  • Arbeiten
  • Beschäftigung jeder Art, die dafür sorgt, nicht mit mir in Kontakt zu sein

Doch auf der anderen Seite entgeht uns soviel, wenn wir nicht fühlen:

  • Wir sind nicht wirklich mit anderen Menschen, besonders den Menschen, die uns nahestehen wie Partner, Kindern und Familie, in Kontakt.
  • Wir machen Job`s, die uns keine Freude bereiten, die nicht unserer Berufung entsprechen, weil wir gar nicht spüren, was wir eigentlich wollen.
  • Wir ernähren uns ungesund, stopfen Fast-Food in uns rein, weil wir nicht spüren, was unser Körper eigentlich braucht.
  • Wir setzten keine Grenzen, wenn andere Menschen uns zu nahe kommen oder der Chef uns noch mehr Arbeit auf den Schreibtisch packt.
  • Wir sind leichtsinnig und tun Dinge, die unser Leben gefährden (vor denen uns unsere Angst eigentlich bewahren würde), nur um den Kick, den Nervenkitzel zu spüren.
  • Wir halten Konflikte aus, nur um dem anderen nicht weh zu tun.
  • Wir trauern nicht, wenn ein geliebter Mensch stirbt, sondern stürzen uns lieber wieder in den Alltag und die Arbeit.
  • Wir zeigen uns nicht authentisch wie wir sind, sondern verstecken uns hinter einer Maskerade.

Ich habe gelernt, wie wunderschön es ist, mit meiner Frau zu weinen. Einfach so, weil wir uns in dem Moment traurig fühlen. Es ist wie ein Gewitter, das die Luft reinigt. Ich fühle mich danach immer sehr verbunden und gereinigt.
Auch unser Sohn ist manchmal mit dabei und bekommt mit, dass das Leben aus Höhen und Tiefen besteht und alle Gefühle okay sind.

Wie ist es bei dir?

  • Wann hast du das letzt Mal geweint, dich wütend oder ängstlich gefühlt?
  • Wo und wann vermeidest du es zu fühlen?
  • Wo wünscht du dir mehr Intensität und Tiefe in deinem Leben und deinen Beziehungen?
  • Welche von den Sätzen am Anfang des Artikels hast du selbst gehört oder sagt du selbst?
  • Was glaubst du würde sich in deinem Leben ändern, wenn du mehr fühlen würdest?

Ein Mann hat genauso Gefühle wie eine Frau. Sie sind Teil unseres Menschseins und haben nichts mit dem Geschlecht zu tun!

Gefühlvolle Grüße
Tobias

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