Der Junge muss sterben!

Es ist Mitten in der Nacht. Männer, dunkel gekleidet ziehen durch das Dorf. Sie klopfen an die Türen ausgewählter Häuser. Als die Frauen öffnen, rufen die Männer:

Gib mir deinen Jungen – Der Junge muss sterben!

Sie stürmen ins Haus – ins Kinderzimmer, in dem der Junge schläft. Die Mütter schreien, wollen ihren Jungen nicht hergeben, doch es nützt nichts: die Männer sind stärker, greifen den Jungen und nehmen sie mit.

Was sich für uns in der westlichen Welt wie Kindesentführung anhört, ist in anderen Kulturen Teil der Männer-Initiation. Wenn ein Junge ungefähr 15 oder 16 Jahre alt ist, ist er bereit, ein Mann zu werden und damit ein verantwortlicher Erwachsener.

Bei uns, in der westlichen Welt, ist man laut Gesetzt mit 18 Jahren volljährig und damit erwachsen. Man darf Autofahren, unbegrenzt nachts draußen bleiben, Alkohol trinken und ist vor dem Gesetzt voll verantwortlich.
Doch gelernt, was es bedeutet erwachsen zu sein, hat bis dahin kaum einer. Es kommt der Tag und dann ist man es – Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Viele fiebern auf den Tag hin. Auch mir ging es so. Ich hatte die Führerscheinprüfung bereits zwei Wochen vor meinem 18. abgelegt und am Geburtstag brachte mir mein Fahrlehrer den Schein endlich vorbei. Ich durfte alleine Autofahren. Ich war frei. Doch erwachsen? Das hat noch viele Jahre gebraucht, um erstmal zu verstehen, was es bedeutet und es dann auch zu leben. Und manchmal fühle ich mich immer noch nicht so.
Neben vielen Seminaren der Persönlichkeitsentwicklung war bei mir ein großer Schritt zum Mann-Sein, selbst Vater zu werden. Plötzlich hatte ich nicht mehr nur die Verantwortung für mich und mein Leben zu tragen, sondern war verantwortlich für meinen Sohn und meine Familie.

Doch zurück zu der Geschichte.
Die Männer, es sind die ältesten des Dorfes, haben bereits wochenlang die Jungen beobachtet und entschieden, wer von ihnen reif für die Initition zum Mann ist. Dann ist es an der Zeit, die Jungen zu entführen und zu initieren. Dabei ist die Initition ein Übergangsritutal, was das bestätigt, was bereits da ist. Kein Junge wird einfach zum Mann gemacht – er ist vorher bereits den Weg gegangen. Jetzt ist es an der Zeit, dies zu bestätigen und ihn als vollwertigen, verantwortungsvollen Mann in die Gemeinschaft zu integrieren.
Die Mütter, auch wenn Sie noch so überrascht tun, wissen Bescheid. Sie kennen es, weil es eine uralte Tradition ist. Sie wissen, dass es an der Zeit ist und dass es wichtig ist, dass ihr Junge den Schritt zum Mann macht. Dennoch sind ihre Gefühle nicht komplett geschauspielert. Sie fühlen echten Schmerz, den Schmerz den nur eine Mutter fühlen kann, wenn sie merkt, dass ihr kleiner Sohn nun nicht mehr ihr Junge ist, sondern ein reifer und erwachsener Mann. Es ist diese Verbindung, diese engergetische Nabelschnur, die jetzt und für immer durchtrennt wird.
Das hört sich vielleicht hart an, doch ist es unbedingt notwendig. Es ändert nichts an der Liebe, die beide füreinander empfinden, sondern es ist der Schritt, damit beide sich zukünftig auf Augenhöhe als zwei erwachsene Menschen begegnen.

Die Männer nehmen also die Jungen mit und gehen mit ihnen in den Wald, in die Wildnis. Je nach Kultur kann diese Initiation wenige Tage , Wochen oder auch Monate dauern. Es wird Situationen geben, in denen der Junge komplett auf sich allein gestellt ist. In denen er mit den Kräften der Natur kämpfen muss und den Dämonen in seinem Inneren. Vielleicht muss er auch ein Tier jagen und erlegen.

Filmtipp: Captain Fantastic (Trailer) – Ziemlich am Anfang durchläuft einer der Söhne eine solche Initition zum Mann.

Zum Ende der Initition sitzen alle Männer zusammen im Kreis. Die Ältesten lehren die jungen Männer darin, was es bedeutet ein Mann zu sein und weihen sie in die Geheimnisse im Umgang mit Frauen und Sexualität ein. Dann ist der Zeitpunkt gekommen und sie kehren zurück in die Gemeinschaft, wo sie als Mann nun die volle Verantwortung übernehmen und ihre Rolle einnehmen.

Als ich das erste Mal davon gehört habe, fand ich es erschreckend und brutal und gleichzeitig habe ich mir gewünscht, auch in jungen Jahren eine solche Initition von Männern für Männer mitgemacht zu haben.

Fragen zum Nachdenken für dich:

  • Wie wurdest du erwachsen? Was waren die ganz konkreten Momente in deinem Leben?
  • Fühlst du dich als Junge oder als Mann? Woran merkst du das?
  • Wer war dein männlicher Mentor auf dem Abenteuer. Mann. Sein.?
  • Wie ist deine Verbindung zu deiner Mutter? Bist du immer noch der kleine Junge oder hast du die Nabelschnur durchtrennt? Wenn ja, wie?

Es gibt eine gute Nachricht für alle, die die Initiation zum erwachsenen Mann noch nicht durchlebt haben:
Mann (für Frauen gilt das selbe) kann es jederzeit nachholen. Es gibt Trainings und Rituale, die diesen Prozess vollziehen.
Hierzu bald auch mehr auf Abenteuer. Mann. Sein. Wenn über Möglichkeiten informiert sein möchtest, dann trag dich am besten in den Newsletter ein. Den Button dazu findest du ganz unten auf dieser Seite.

Männliche Grüße
Tobias